Philosophie und Hintergründe

Inspiriert von mystisch anmutenden Gebirgslandschaften wurden die Skizzen dieser Bildserie in China angefertigt. Meine Kunst orientiert sich sowohl philosophisch als auch stilistisch an der traditionellen chinesischen Malerei und dem japanischen Sumi-E/Suibokuga. Anstatt über der Natur stehen zu wollen, wurde in vergangenen Zeiten angestrebt nach ihrem Vorbild zu leben und ihre Gesetzmäßigkeiten zu nutzen. Die Bilder sind mit Tusche und jeweils einem einzigen Pinsel ausgeführt; der linienhafte Charakter der Bilder kommt aus der Kalligraphie, der ursprünglichen chinesischen Art zu schreiben. Daher wird, analog zu den chinesischen Schriftzeichen, jedem Pinselstrich eine verhältnismäßig große Bedeutung zugemessen. Einmal platzierte Tuschelinien können nicht aufgehellt werden, daher steckt viel Sorgfalt und ein hohes Maß an Geduld hinter diesem Prozess. Um die Wurzeln dieser stilreichen Traditionen besser zu verstehen, ist die Erläuterung ihrer Ursprünge in der daoistischen Philosophie hilfreich, die eine der Grundausrichtungen der jahrhunderte alten Denkströmungen Chinas bildet. Ein erster Einblick in die Schlüsselkonzepte der Asiatischen Tuschemalerei soll eine kurze Übersicht bieten. Für alle, die sich weiter für diese Thematik interessieren, habe ich versucht, auf meiner Website eine tiefgründigere Auseinandersetzung zu erstellen.

Philosophy and Backgrounds

Inspired by mystical mountain ranges, the sketches of this picture series were done in China. My art is both philosophically and stylistically based on traditional Chinese painting and Japanese Sumi-E / Suibokuga. Instead of wanting to stand above nature, in past times people were striving to live by its model and to use its principles. The pictures are executed with ink and a single brush; The linear character of the pictures comes from calligraphy, the original writing style of China. Therefore, analogous to Chinese characters, each brush stroke is given a comparatively great importance. Once placed, the ink cannot be brightened, and each attempt of correction is immediately visible, so there is a lot of care and a great deal of patience behind this process. In order to better understand the roots of these stylistic traditions, the explanation of their origins in Daoist philosophy is helpful. It is one of the basic orientations of the centuries-old thought flows of China. A first insight of the key concepts of Asian ink wash Painting shall give a brief overview.
The contrast of black and white in the pictures draws attention to the contrasting nature of things, the apparent opposition of all being. On closer examination, however, it is clear that every shadow has light as a condition, does not exist independently, and in a certain sense, everything forms a unity with each other. In painting, the unity is reflected in the overall impression of the image, in the great harmonious whole. An object alone is aesthetically unpretentious; Beauty emerges only through the combination of Yin and Yang, near and far, soft and hard.

Charakteristika der Ostasiatischen Kunst:

Yin und Yang – Die Einheit der Gegensätze:
Die Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß in den Bildern lenkt die Aufmerksamkeit auf die scheinbar konträre Natur der Dinge – Bei genauerer Betrachtung jedoch erkennt man, dass Gegensätze einander bedingen und eine Einheit bilden.

Schlichtheit und Essenz:
Durch Einfachheit, also die Reduktion auf das Nötigste, ist es besser möglich, Dinge zu durchschauen und ihr Wesen zu verstehen.

Natur und Dao:
Der allumfassende Charakter der Natur verkörpert Dao, das Grundkonzept der chinesischen Philosophie, das allen Dingen zugrunde liegt.

Meditation:
In der Chinesischen Tradition praktiziert der Maler meist auch Meditation, um die Essenz der Szene verstärkt wahrzunehmen und ihr besser Ausdruck zu verleihen.

Die daoistische Herkunft

...bildet eine der beiden Grundausrichtungen der jahrhunderte alten Denkströmungen Chinas und manifestiert sich sowohl in religiösen als auch philosophischen Formen; auch innerhalb dieser beiden Strömungen herrscht viel Diversität. Eine Interpretation der daoistischen Denkweise soll die wichtigsten Konzepte veranschaulichen und zeigen, wie eng Malerei und Philosophie miteinander verwoben sind.

Dao:
Der Daoismus geht davon aus, dass es ein Prinzip gibt, das allen Dingen zugrunde liegt, und somit nichts für sich unabhängig oder ausgeschlossen existieren lässt. Dieses Prinzip, genannt Dao, ist nicht direkt erkennbar/erklärbar, jedoch können seine Wirkungen beobachtet werden. Das grundlegendste, was allem gemeinsam ist und gleichzeitig greifbarer erscheint, ist das Konzept von Yin und Yang.

Yin Yang und die Schwarz-Weiß Malerei:
Auf den ersten Blick lässt sich zu allem Sein ein Gegenpol finden - Bei tiefgründiger Auseinandersetzung wird jedoch rasch klar, dass nichts unabhängig existiert. Ohne Licht existiert kein Schatten, ohne Schwarz kein Weiß, ohne Hinauf kein Herab. Alles steht miteinander in Verbindung und bildet somit eine untrennbare Einheit. Scheinbare Gegensätze sind komplementär, bedingen und erzeugen einander. Aus dem Dao entsteht alles Sein, dessen Einheit sich wiederum in Yin und Yang zeigt. Aus der ständigen Kombination von diesen beiden Polen setzen sich Dinge untereinander in Beziehung und es entstehen so alle Erscheinungen im Kontext zueinander. Auch die Malerei soll in der daoistischen Denkweise eine Verdeutlichung und direkte Veranschaulichung dieser Konzepte sein und Dao intuitiv zeigen, anstatt es zu erklären. So schafft erst die Leere des Blattes die Möglichkeit der Entstehung eines einheitlichen Bildes, das sich wiederum nur in Yin und Yang, Gegensätzen und Kontrasten zeigen kann. Die Kraft der schwarzen Tusche kommt erst durch die kaum merkbare weiße Umgebung zur Geltung, jeder Raum entsteht erst durch Begrenzungen und umgekehrt: Jedes Objekt nimmt erst durch den umgebenden Raum Form an. Die Leere ist essenziell um das Motiv atmen zu lassen, alles harmonisch miteinander zu verbinden und weist eine eigene Struktur auf. Sie erlaubt dem Geist des Zusehers zu wandern und seine Vorstellungskraft fließen zu lassen.

Einfachheit, um die Essenz zu verdeutlichen:
Bei Landschaftsgemälden werden im Normalfall keine Farben eingesetzt, um die Essenz der Dinge deutlicher fühlbar zu machen; um auf das Wesentliche zu reduzieren. Wenn in der traditionellen chinesischen Malerei Farben eingesetzt werden, dann subtil und bedacht, um gewisse Aspekte zu akzentuieren. Die Natur der Berge, der Wolken, der Bäume, offenbart sich nicht durch fotorealistische Abbildungen von ihnen, da zu viel Realismus verhindern kann, tiefer zu sehen. Der Maler muss beim Zeichnen im Einklang mit dem Wesen der Dinge sein – Erfüllt von den luftigen Höhen der Berge, der Frische der Luft, der beinahe unheimlichen Stille und von dem Gefühl, das die Natur ausstrahlt, indem sie Dao folgt. Dazu dient nicht nur die Beobachtung der Landschaft, das Analysieren des Motivs, sondern auch die Meditation und der Aufenthalt, das in-sich Aufnehmen der Natur. Dieses Gefühl soll dem Betrachter der Bilder vermittelt werden. Dennoch war es in der chinesischen Malerei nicht üblich, das Werk vor Ort anzufertigen. Der Maler sammelte zuerst Impressionen, hielt sich lange in einer Umgebung auf und versuchte die Essenz der Szene in sich aufzunehmen; anschließend brachte er diese Erfahrungen aus seinem Geist auf Papier. Die andere Variante war, die Werke von bekannten Malern als Inspiration zu nehmen, beziehungsweise sogar zu „kopieren“. In unseren Augen auf den ersten Blick vielleicht das Zeichen fehlender Eigenleistung, ging es in Wirklichkeit darum, das beinahe legendäre Meisterwerk, das ja Dao verkörpern sollte, in seiner Perfektion bestehen zu lassen und zu versuchen, diese selbst zu erreichen. Für die namhaften Maler war dies wiederum eine große Ehre.

Das Verhältnis von Natur und Dao:
Landschaften werden nicht dargestellt, um Landschaften an sich zu zeigen, sondern um Dao zu zeigen. Die Natur wird in der chinesischen Philosophie oft als Analogie für Dao verwendet, da hier sehr viele Kreisläufe und Wandlungsprozesse zu beobachten sind. Dem Dao wird nämlich zugeschrieben in Kreisläufen zu wirken und begleitet vom ständigen Wandel den Endpunkt im Anfang zu haben. Beobachten kann man dies in der Natur darin, dass alles nach dem Entstehen wieder zerfällt, jedoch nicht einfach verschwindet, sondern wiederverwertet wird. Alles Existierende ist somit dadurch charakterisiert, dass es sich ständig im Fluss befindet, transformiert und am Ende nicht verloren geht, sondern als Basis für etwas Neues dient. Die Natur folgt dem Wandel spontan, haftet an nichts an und handelt somit im Einklang mit Dao. Ein weiterer Grund für diese Analogie ist, dass Aufenthalte in der Natur aufzeigen, wie wertvoll Einfachheit ist und wie viel man aus ihr schöpfen kann, wie man gleichsam alles aus dem Dao schöpfen kann, welches das grundlegendste und zugleich einfachste Prinzip ist. Das einfache Leben ist erstrebenswert, weil man so die wesentlichen Dinge besser erkennen und schätzen kann und viele Bedürfnisse, die eigentlich nur gesellschaftlich erzeugt werden, nicht blind übernimmt. Damit kommen wir im nächsten Punkt zum daoistischen Lebensideal.

Lebensstil:
Anhänger dieser Philosophie zogen sich oft aus den Städten in die Natur zurück, um sich die Kraft der Einfachheit zunutze zu machen, die Schlichtheit genießen zu können, und sich in kleineren Gruppen in einer geeigneten Atmosphäre dem Weg der Selbsterkenntnis zu widmen, um für sich selbst herauszufinden, was erstrebenswert und was verwerflich ist. In den Städten war es schwieriger diesem Weg zu folgen, da die nötigen Bedingungen dafür selten gegeben waren – einerseits beschränkte Freiheiten durch die Regierung, andererseits Zwänge der Gesellschaft, die oft verhindern, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und eigenen Idealen Raum zu lassen. Daher wurde, durch die Sprache der Künste, die existierende Gesellschaftsordnung mit Hierarchien, die nicht alle Menschen gleichstellen, oft kritisiert. Selbstkultivierung war also das oberste Ziel – zum Beispiel durch Meditation, Qi Gong, Tai Chi, spezieller Ernährung, Musik, Poesie und Malerei. In den Künsten wurde durch jahrelange Übung versucht, einen Zustand der spontanen Meisterschaft der jeweiligen Disziplin zu erlangen. Perfektion war erreicht, wenn der Übende ohne Anstrengung Schönheit hervorbringen konnte, so wie die Natur(und in weiterer Folge Dao) ohne sich dessen bewusst zu sein die schönsten Farben, Formen und Geräusche erzeugt. Des Weiteren war es ein Ziel, den Weg der Natur zu verstehen und im Einklang mit ihr zu leben. Menschen und menschliche Elemente werden deswegen in Landschaftsmalereien proportional sehr klein dargestellt, beziehungsweise manchmal sogar ausgelassen, um zu zeigen, dass der Mensch eigentlich nur ein kleiner Teil der Natur ist. Da es eine Vielzahl daoistischer Richtungen gibt, gibt es jedoch auch verschiedene Schwerpunkte. Manche Anhänger lebten sehr asketisch, während manche eine Form der Einfachheit darin sahen mit Gleichgesinnten beisammen zu sein, sich über Künste auszutauschen und Wein zu genießen, während andere wieder religiösen Formen folgten.

Implikationen, Botschaft

Die Bilder sind daher das Resultat eines bestimmten Lebensstils, über dessen Aspekte ich die Betrachter gerne zum Nachdenken motivieren möchte. Wenn jemand von den Hintergrundgedanken angeregt wurde, so würde es mir Freude bereiten, wenn er die Teile, die ihm gefallen, in sein Leben einfließen lässt; Neues ausprobiert, und alles nicht funktionierende daran ablegt. Kurz zusammengefasst sehe ich in den genannten Konzepten folgende Anregungen für das praktische Leben:

Einfachheit:
In einer Gesellschaft, in der man kaum Zeit für die wesentlichen Dinge hat; in der immer mehr von einem gefordert wird und in der man von Reizen immer öfter überflutet wird, ist Weniger oft mehr wert.

Natur:
Eine Quelle der Energie und der Ruhe, die als Inspiration dient und aufatmen lässt. Ein Sinnbild für das Wertschätzen der Einfachheit.

Meditation:
Ein weiterer Weg um das Schöne in den einfachen Dingen zu sehen, die üblicherweise einfach an uns vorbeigehen. Regelmäßige Meditation hat Veränderungen in der Wahrnehmung zur Folge, die als sehr positiv erachtet werden.

Yin Yang:
Das sich-bewusst machen, dass nichts bloß oder bloß so ist, ohne sich verändern zu können und dass es einen Ausgleich zwischen Extremen erfordert, um ein harmonisches Ganzes zu erreichen.

Meine Inspiration

Die Natur selbst

Die Meister der letzten zwei Jahrtausende, die ihre Fertigkeiten zur Perfektion gebracht haben und die Idee hinter ihrer Kunst vorbildhaft lebten

Und die Menschen, die meine Bilder faszinieren. Eure Anerkennung und eure Freude daran sind mein Antrieb, täglich noch mehrere Stunden weiterzumachen, wenn meine Motivation aus anderen Quellen erschöpft ist

Kontakt

Bei Fragen kontaktieren Sie mich gerne jederzeit unter koealiv@gmail.com oder telefonisch unter 067761128319. Ich freue mich, von Ihnen zu hören!








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